Philosophie

Die Smarter Medicine Bewegung mit den choose wisely Kampagnen hat mittlerweile das gesamt westliche Gesundheitswesen durchdrungen.

Es handelt sich um eine gut verpackte Rationierungsbewegung, welche den Sinn medizinischer Handlungen fundamental hinterfragt. Die verschwiegene Absicht dahinter ist die Senkung der medizinischen Kosten bei gleichzeitiger Zunahme des Glücks und Wohlbefindens in der Bevölkerung durch eine vermeidende und angeblich schädliche Medizin (Utilitaristischer Hintergrund und Ethik): Choosing Wisely ist eine utilitaristische Bewegung, welche die gerechte Verteilfrage limitierter Ressourcen stellt und angeblich unnötige medizinische Behandlungen abschaffen will.

Weder ist klar, wohin dann die eingesparten Gelder fliessen noch weiss man, ob das Konzept der Verteilgerechtigkeit die Versorgungssicherheit stört.

Es handelt sich um eine Bauchgefühl-Bewegung. Die Ärzteschaft reagiert darauf mit zunehmendem Fatalismus, Burnout und Depression.  Die eigene Ausbildung, das eigene ärztliche Wissen, wird dem Anspruch einer ökonomischen Verteilgerechtigkeit zur Disposition gestellt.

Die daraus folgende therapeutische Frustration zerstört nicht nur das Vertrauen des Patienten in den Arzt. Sie führt auch zu einem medizinischen Nihilismus und einer pessimistischen Medizin. Das ist das Gegenteil, was in einer therapeutischen Beziehung geschehen darf.

Die ärztliche Hilflosigkeit entlädt sich mitunter dann am Patienten. Ansprüche und Begehrlichkeiten werden mit der Frage beantwortet, “Wollen Sie damit noch fünf Minuten länger leben?”

Die bioethisch-utilitaristische Bewegung ist dabei, die Grundpfeiler des medizinischen Berufs  zu ersetzen. Anstelle des “primum nil nocere” steht nun das “primum numquam nocere” und damit die Abschaffung der Medizin.

Überspitzt formuliert: anstelle einer optimistisch motivierten Behandlung steht die mit menschlichem Antlitz (pulchra mori) daher kommende nekrophile Schön-Begleitung in den Tod das neue Behandlungsziel dar, die möglichst frühzeitige Beendigung eines gesellschaftlich-ökonomisch betrachtet sinnlos gewordenen und damit zu entsorgenden und nur noch Kosten verursachenden Lebens.

Während andernorts solche Handlungen undenkbar sind, arbeiten Sie in der Schweiz daran, das Leben dem totalen Anspruch der Ökonomie unterzuordnen. Ein Beispiel dazu hier.

Die Folge ist eine Entsolidarisierung innerhalb der Gesellschaft. Zentripetale Kräfte werden bedient, das Individuum wird aus seinem gesellschaftlichen Kontext mehr und mehr auf sich selber zurückgeworfen, Egoismen der Gesunden und Nihilismus der Kranken erklärt sich zur neuen Norm.