Implikationen

Smarter medicine ist eine autoritäre Bewegung, welche das “choosing wisely” als einen Befehl versteht. Die Auswirkung dieser Bewegung auf die Versorgungssicherheit sind nicht erforscht.

Auf der Patientenseite (patient centered view) wird die Nutzlosigkeit der Medizin und die Gefahren, wenn man sie trotzdem anwendet, als Handlungspfad mit einem weisen Entscheid verknüpft.  Solche weisen Entscheide dienen jedoch nur der Rationierung medizinischer Leistungen. Das Problem ist hier die Aufbürdung medizinischer Entscheide auf den Patienten, der doch der Medizin eine Frage stellt: bin ich gesund, bin ich krank. Diese Frage wird gar nicht mehr möglich, mit dem Gesundheitsszustand verbundene Ängste werden auf den Patienten zurückgespiegelt. Im Ergebnis zwingt man den Patienten so, sein allfällig gesundheitliches Problem selber zu lösen. Dies ist auch erwünscht, denn erst wenn der Patient gar nicht zu Arzt geht, kann das System Geld sparen. Besonders ungemütlich wird die Situation bei tatsächlich kranken oder bei Personen gegen das Lebensende. Hier entstehen “choosing wisely” Ansprüche, welche nur noch mit einer Selbst-Euthanasie zu lösen sind. Dabei wird auch die Lebensqualität bemüht. Die Lebensqualität wird durch medizinische Massnahmen verschlechtert bzw. die Begleitung von Krankheit und Sterben ohne allzu viel medizinischen Aktivismus als eine neue Romantik um Krankheit und Tod verstanden. Wissenschaftlich wird dieser Diskurs durch den QALY Parameter gestützt,  wonach beispielsweise im Nationalforschungsprojekt NFP 67 gefragt wird, was das Volk bereit ist, für ein gewonnenes Lebensjahr in guter Qualität zu bezahlen (Telser, Polynomics, Beck, CSS Versicherung).

Auf der Arztseite wird jede Kostenverursachung primär als Verschwendung ökonomischer Ressourcen hingestellt. Damit verabschiedet der Arzt Hoffnung und positives Denken zugunsten von primären Kostenüberlegungen. Diese Pervertierung der Medizin und auch der WZW Kriterien wird von den Protagonisten der smarter medicine bewusst erzeugt, um Druck auf die Ärzte zu machen, primär auf die Kosten zu schauen. Der wissenschaftliche Gehalt der “choosing wisely” Liste ist dabei völlig nebensächlich, Es geht hier lediglich um einen Vorwand, im Rahmen medizinischer Diskurse, den ökonomischen Diskurs als primum movens im Kopf der Ärzte zu installieren, also eine Gehirnwäsche. Damit verlässt die smarter medicine Bewegung ganz klar den Boden der Medizinische Wissenschaften und macht sich zur Handlangerin der Gesundheitsökonomie.

In der Synthese bewirkt smarter medicine eine Abschaffung der Medizin als Problemlösungs-Angebot, für welches die Patienten ja schliesslich ihre Prämien bezahlen.  Anstelle einer professionellen Hilfeleistung erhält der Patient Abweisung und ein schlechtes Gewissen dafür, dass er es überhaupt wagt, mit seinem “Problemchen” vorstellig zu werden.

Die Trägerschaft von smartermedicine.ch setzt sich wie folgt zusammen: